Die vergangene Nacht wird uns noch lange in Erinnerung bleiben: Über der Schulsternwarte Minden‑Lübbecke zeigte sich ein eindrucksvolles Farbenspiel aus Grün‑ und Rottönen am Himmel – ein Polarlicht, wie man es hierzulande nur sehr selten sieht.
Das angehängte Foto, aufgenommen direkt an der Sternwarte, zeigt die farbig leuchtenden Strukturen hinter der Silhouette eines Teleskops. Besonders markant ist der Übergang von intensivem Grün in ein tiefes Purpurrot, der den gesamten nördlichen Himmel erleuchtete.


Warum entstehen Polarlichter?

Polarlichter – fachsprachlich Aurora borealis (Nordlichter) oder Aurora australis (Südlichter) – entstehen, wenn elektrisch geladene Teilchen aus dem Sonnenwind auf das Magnetfeld und die obere Atmosphäre der Erde treffen.
Diese Teilchen regen Sauerstoff‑ und Stickstoffatome in einer Höhe von etwa 100 bis 400 Kilometern an. Je nachdem, welches Gas in welcher Höhe angeregt wird, entstehen unterschiedliche Farben:

  • Grün: angeregter Sauerstoff bei etwa 100–150 km Höhe
  • Rot: Sauerstoff in großen Höhen über 200 km
  • Purpur/Violett: angeregter Stickstoff

Wenn die Sonne besonders aktiv ist – etwa durch starke Eruptionen oder Massenauswürfe (CMEs) – können diese Teilchenströme so intensiv werden, dass Polarlichter viel weiter nach Süden vordringen als üblich.


Ein außergewöhnliches Erlebnis für Deutschland

Dass Polarlichter in Deutschland sichtbar sind, ist keineswegs selbstverständlich. Unter normalen Bedingungen liegen wir zu weit südlich, um die typischen Aurorabögen zu sehen, die sonst regelmäßig in Skandinavien erscheinen.
Nur bei besonders starken geomagnetischen Stürmen erreicht das Leuchten auch Mitteleuropa – ein Ereignis, das teilweise nur einige Male pro Jahrzehnt auftritt.

Umso eindrucksvoller war die Beobachtung in der letzten Nacht:

  • Die Farben waren mit bloßem Auge sichtbar, was in unseren Breiten selten ist.
  • Die Erscheinung erstreckte sich über große Teile des Nordhimmels und wechselte dynamisch zwischen Grün, Rot und Violett.

Das Foto zeigt eindrucksvoll, wie das Teleskop der Sternwarte vor dem farbigen Himmel silhouettenhaft hervortritt – ein Moment, den selbst erfahrene Beobachter nur selten erleben.


Ein besonderer Moment

Das Polarlicht ist nicht nur ein ästhetisches Highlight, sondern auch eine wunderbare Gelegenheit, astronomische Theorie (Sonnenaktivität, Magnetfeld, Atmosphärenphysik) live am Himmel zu erleben.



Glossar: Wichtige Fachbegriffe

Aurora (Polarlicht)
Leuchterscheinung am Himmel, die durch angeregte Atome in der oberen Erdatmosphäre entsteht.

Aurora borealis / Aurora australis
Fachbegriffe für Nord- bzw. Südlichter.

Sonnenwind
Ein kontinuierlicher Strom aus elektrisch geladenen Teilchen, der von der Sonne ins All ausgestoßen wird.

Magnetfeld der Erde
Unsichtbares Kraftfeld, das unseren Planeten umgibt und geladene Teilchen des Sonnenwinds ablenkt.

Geomagnetischer Sturm
Starke Störung des Erdmagnetfelds, ausgelöst durch besonders intensive Ströme aus dem Sonnenwind. Oft verantwortlich für Polarlichter in Mitteleuropa.

Sauerstoff- und Stickstoffatome
Gase in der oberen Atmosphäre, die durch den Sonnenwind angeregt werden und dann charakteristische Farben aussenden.

CME (Coronal Mass Ejection – koronaler Massenauswurf)
Eine gewaltige Eruption der Sonne, bei der große Mengen Plasma ins All geschleudert werden. Häufig Auslöser starker Polarlichtereignisse.

Plasma
Ein heißes, elektrisch geladenes Gas, aus dem der Sonnenwind besteht.

Atmosphäre
Die gasförmige Hülle der Erde. Polarlichter entstehen in deren oberen Schichten.